Bienenfresser-Kolonien in Deutschland
Bienenfresser sind in Deutschland nicht gleichmäßig verbreitet, sondern treten vor allem dort auf, wo warme Offenlandschaften, ein hohes Insektenangebot und geeignete Steilwände vorhanden sind. Bekannte Vorkommen befinden sich unter anderem bei Lambsheim beziehungsweise in den Gerolsheimer Gruben, im Raum Königstuhl sowie in Sachsen-Anhalt.
Lambsheim / Gerolsheimer Gruben
Die Region bei Lambsheim ist für Bienenfresser-Beobachtungen bekannt. Sand- und Abgrabungsflächen bieten hier geeignete Steilwände für Brutröhren.
Königstuhl
Auch im wärmebegünstigten Raum Königstuhl werden Bienenfresser mit geeigneten Offenland- und Hangstrukturen in Verbindung gebracht. Vor Ort sollte stets auf ausgewiesene Wege und Schutzbereiche geachtet werden.
Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt zählt zu den wichtigsten Schwerpunktregionen des Bienenfressers in Deutschland. Besonders warme Flusstäler, Lösswände und Abgrabungsbereiche bieten gute Brutbedingungen.
Der farbenprächtige Rückkehrer warmer Landschaften
Der Bienenfresser gehört zu den auffälligsten Brutvögeln, die man in Deutschland beobachten kann. Mit seinem türkisblauen Bauch, der gelben Kehle, dem rostbraunen Rücken und dem dunklen Augenstreif wirkt er fast tropisch. Lange Zeit war er bei uns eine Seltenheit. Heute ist der Bienenfresser wieder regelmäßiger Brutvogel in Deutschland – besonders in warmen, offenen Landschaften mit geeigneten Steilwänden.
Sein deutscher Name ist dabei nur teilweise richtig. Zwar jagt der Bienenfresser auch Bienen, Hummeln und Wespen, seine Nahrung besteht aber allgemein aus größeren Fluginsekten. Dazu gehören auch Libellen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten, die er geschickt im Flug fängt. Für Naturfotografen ist er ein faszinierendes Motiv: farbenprächtig, lebendig, schnell – und zugleich störungsempfindlich am Brutplatz.
ZDF: Zahlen, Daten und Fakten zum Bienenfresser in Deutschland
| Bereich | Zahl / Fakt | Einordnung |
|---|---|---|
| Artname | Bienenfresser, wissenschaftlich Merops apiaster | Gehört zur Familie der Bienenfresser und zur Ordnung der Rackenvögel. |
| Brutbestand Deutschland | 2025 etwa 6.800 Brutpaare geschätzt | Der Bestand hat in Deutschland deutlich zugenommen und erreichte zuletzt ein Rekordniveau. |
| Verbreitung | Schwerpunkte unter anderem in Sachsen-Anhalt, Südbaden, Bayern, Sachsen und Rheinland-Pfalz | Die Vorkommen sind nicht gleichmäßig verteilt, sondern stark an geeignete warme Landschaften und Brutwände gebunden. |
| Lebensraum | Offene, sonnige, wärmebegünstigte Landschaften | Bevorzugt werden strukturreiche Gebiete mit Insektenreichtum, Sitzwarten und offenen Bodenstellen. |
| Brutplatz | Steilwände, Sand-, Kies-, Löss- und Tongruben | Der Vogel gräbt Brutröhren in geeignete senkrechte oder steile Wände. |
| Brutzeit | Vor allem Mai bis Juli | In dieser Zeit sind Kolonien besonders störungsempfindlich und sollten nicht betreten oder bedrängt werden. |
| Nahrung | Große Fluginsekten | Neben Bienen und Wespen werden auch Libellen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten gefangen. |
| Zugverhalten | Langstreckenzieher | Bienenfresser verbringen den Winter südlich der Sahara und kehren im Frühjahr nach Europa zurück. |
| Rote Liste Deutschland | Derzeit bundesweit nicht gefährdet | Regional kann die Situation anders bewertet werden, weil die Art stark von wenigen geeigneten Brutplätzen abhängt. |
| Fotografie | Teleobjektiv, Abstand und Geduld | Brutplätze dürfen nicht betreten werden. Gute Bilder entstehen besser von öffentlichen Wegen oder ausgewiesenen Beobachtungspunkten. |
Warum der Bienenfresser nach Deutschland zurückgekehrt ist
Der Bienenfresser galt in Deutschland lange als ausgesprochene Ausnahmeerscheinung. Seine heutige Ausbreitung hängt eng mit wärmeren klimatischen Bedingungen zusammen. Als südlich verbreitete Art findet er inzwischen auch in Deutschland häufiger passende Sommerbedingungen. Dazu kommen geeignete Brutplätze, die oft nicht in ursprünglichen Naturlandschaften liegen, sondern in Sand-, Kies-, Löss- oder Tongruben.
Diese Entwicklung ist bemerkenswert, sollte aber nicht falsch verstanden werden. Der Bienenfresser profitiert zwar von Wärme, bleibt aber abhängig von sehr speziellen Strukturen. Ohne offene Steilwände kann er nicht brüten. Ohne insektenreiche Landschaften fehlt die Nahrungsgrundlage. Und ohne Ruhe an der Kolonie kann der Bruterfolg schnell gefährdet sein.
Lebensraum: Wärme, Offenland und Steilwände
Typische Bienenfresser-Landschaften sind sonnig, offen und reich an Insekten. Dazu zählen Weinbaugebiete, Sandgruben, Kiesgruben, ehemalige Abbauflächen, Lösswände, Hohlwege und strukturreiche Offenlandschaften. Wichtig sind Ansitzwarten wie einzelne Äste, Drähte, Pfosten oder Büsche. Von dort aus starten die Vögel ihre Jagdflüge.
Seine Brutröhre gräbt der Bienenfresser selbst. Dafür braucht er eine ausreichend feste, steile und offene Wand. Natürliche Uferabbrüche sind selten geworden. Deshalb spielen heute Abgrabungsflächen eine wichtige Rolle. Gerade hier zeigt sich, dass Naturschutz und Nutzung nicht immer Gegensätze sein müssen. Wenn Grubenbetreiber, Behörden und Naturschutz zusammenarbeiten, können wertvolle Brutplätze erhalten oder neu geschaffen werden.
Brutverhalten: Koloniebrüter mit empfindlichem Revier
Bienenfresser brüten häufig in Kolonien. Mehrere Paare nutzen dann dieselbe Wand oder denselben Grubenbereich. Die Brutröhre kann tief in die Wand führen und endet in einer Brutkammer. Während der Brutzeit sind die Vögel auf Ruhe angewiesen. Störungen durch Menschen, Hunde, Drohnen oder zu nahes Fotografieren können dazu führen, dass Altvögel die Fütterung unterbrechen oder Brutplätze verlassen.
Besonders kritisch ist die Zeit von Mai bis Juli. In dieser Phase sollten Brutwände nicht betreten, nicht bestiegen und nicht gezielt aufgesucht werden. Auch scheinbar harmlose Annäherungen können problematisch sein, weil die Vögel ihre Umgebung aufmerksam beobachten und auf wiederholte Störungen empfindlich reagieren.
Nahrung: Mehr als nur Bienen
Der Name Bienenfresser ist einprägsam, aber etwas verkürzt. Die Art ernährt sich von größeren Fluginsekten. Dazu gehören Bienen, Hummeln und Wespen, aber auch Libellen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten. Beutetiere werden im Flug gefangen und anschließend häufig auf einer Sitzwarte bearbeitet.
Für Imker ist der Bienenfresser in der Regel kein existenzielles Problem. Seine Nahrung ist vielfältig, und er jagt dort, wo viele geeignete Fluginsekten vorkommen. Viel entscheidender für die Art ist eine insgesamt insektenreiche Landschaft. Damit ist der Bienenfresser auch ein sichtbares Zeichen dafür, wie wichtig strukturreiche Offenflächen, blütenreiche Säume, Gewässernähe und extensive Nutzung sind.
Wo kann man Bienenfresser in Deutschland beobachten?
Gute Chancen bestehen in bekannten Wärmegebieten und Regionen mit etablierten Kolonien. Dazu gehören unter anderem Teile von Sachsen-Anhalt, Südbaden mit dem Kaiserstuhl, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen. Auch in weiteren Bundesländern gibt es inzwischen Brutvorkommen, allerdings oft nur lokal und nicht jedes Jahr gleich stark.
Für Beobachtungen empfiehlt es sich, öffentliche Wege, Aussichtspunkte oder geführte Exkursionen zu nutzen. Viele Kolonien liegen in aktiven oder ehemaligen Abbauflächen, die nicht frei betreten werden dürfen. Das ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch der Sicherheit.
Bienenfresser fotografieren: Geduld statt Annäherung
Fotografisch ist der Bienenfresser ein Traum: farbiges Gefieder, elegante Flugbewegungen, charakteristische Ansitzwarten und oft ein lebendiges Kolonieverhalten. Gleichzeitig ist er kein Motiv, dem man einfach hinterherlaufen sollte. Gute Bilder entstehen mit Vorbereitung, Respekt und Distanz.
Empfehlenswert sind längere Brennweiten, ein ruhiger Standort und eine Beobachtung aus ausreichender Entfernung. Besonders schön wirken Bienenfresser, wenn sie auf natürlichen Ansitzen sitzen, im Gegenlicht ihre Flügel zeigen oder mit Beute zurückkehren. Wer eine Kolonie entdeckt, sollte sie nicht unnötig bekannt machen. Gerade seltene Brutplätze können durch zu viel Aufmerksamkeit schnell belastet werden.
Naturschutz: Der Erfolg bleibt abhängig von geeigneten Brutplätzen
Der Bienenfresser zeigt, dass Arten in einer sich verändernden Landschaft neue Chancen nutzen können. Sein Bestandsanstieg in Deutschland ist erfreulich. Trotzdem bleibt die Art empfindlich, weil sie auf bestimmte Brutstrukturen angewiesen ist. Werden Steilwände verfüllt, bewachsen, abgebaut oder während der Brutzeit gestört, können lokale Vorkommen schnell verschwinden.
Sinnvoller Schutz bedeutet daher nicht nur, einzelne Vögel zu bewundern, sondern ihre Lebensräume zu erhalten. Dazu gehören offene Steilwände, insektenreiche Landschaften, störungsarme Brutbereiche und eine gute Abstimmung zwischen Naturschutz, Flächeneigentümern und Abbaubetrieben.
Fazit
Der Bienenfresser ist einer der eindrucksvollsten Rückkehrer der deutschen Vogelwelt. Seine Farben erinnern an südliche Landschaften, sein Ruf ist unverwechselbar, und seine Ausbreitung erzählt viel über Wärme, Lebensräume und den Wandel unserer Natur. Wer ihn beobachtet oder fotografiert, sollte dies mit Respekt tun: Abstand halten, Brutplätze schützen und das Erlebnis nicht durch zu viel Nähe erzwingen.
Gerade darin liegt der Reiz. Der Bienenfresser ist kein gewöhnlicher Allerweltsvogel. Er bleibt ein besonderer Gast warmer Landschaften – und ein Motiv, das man sich mit Geduld, Rücksicht und einem guten Blick für die Natur verdient.









