Zum Inhalt springen
Start » Purpurreiher

Purpurreiher

    Purpurreiher in der Wagbachniederung

    Die Wagbachniederung zählt zu den wichtigsten Brutgebieten des Purpurreihers in Deutschland. Der Artikel beschreibt Lebensraum, Verhalten und die Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Feuchtgebietes aus Sicht der Naturfotografie.

    Es ist kurz nach Sonnenaufgang. Über den flachen Wasserflächen der Wagbachniederung liegt noch leichter Dunst. Aus den ausgedehnten Schilffeldern dringt der Gesang der Rohrsänger, während Lachmöwen lautstark ihre Brutkolonien verteidigen. Plötzlich erhebt sich zwischen den Halmen ein schlanker Reiher. Langsam schlägt er mit seinen langen, schmalen Flügeln und gleitet nur wenige Meter über das Röhricht. Sein rostbrauner Hals leuchtet im warmen Morgenlicht. Es ist ein Purpurreiher.

    Die Wagbachniederung bei Waghäusel zählt zu den wenigen Orten Deutschlands, an denen diese seltene Reiherart regelmäßig brütet. Das rund 224 Hektar große Naturschutzgebiet entstand auf den ehemaligen Klärteichen der Waghäuseler Zuckerfabrik. Nachdem die industrielle Nutzung endete, entwickelte sich hier eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Südwestdeutschlands mit weitläufigen Röhrichten, Flachwasserzonen und offenen Wasserflächen. Heute besitzt das Gebiet internationale Bedeutung als Brut- und Rastplatz zahlreicher Vogelarten. (Wikipedia⁠)

    Ein Reiher der Schilfwälder

    Der Purpurreiher (Ardea purpurea) unterscheidet sich deutlich vom häufigeren Graureiher. Sein Körper wirkt schlanker, der Hals länger und die Flügel schmaler. Das rostbraune Gefieder mit dunkelgrauen Flügelpartien tarnt ihn hervorragend zwischen den Schilfhalmen. Anders als Graureiher meidet er offene Wiesen und Gewässer. Sein Lebensraum sind ausgedehnte Röhrichte, in denen er nahezu unsichtbar werden kann.

    Die Art lebt in Deutschland am nördlichen Rand ihres europäischen Verbreitungsgebietes. Entsprechend selten sind geeignete Brutplätze. Die größten Brutvorkommen Südwestdeutschlands befinden sich in der Wagbachniederung, deren großflächige Schilfbestände ideale Bedingungen bieten. (natura2000-bwp-sb.naturschutz.rlp.de⁠)

    Zwischen Schilf und Wasser

    Von April bis August bestimmen die Purpurreiher das Leben im Röhricht. Ihre Nester entstehen meist auf umgeknickten Schilfhalmen über flachem Wasser. Diese Lage schützt die Brut vor vielen Bodenfeinden und bietet gleichzeitig eine gute Deckung.

    Während der Brutzeit herrscht reger Flugbetrieb. Immer wieder kehren die Altvögel mit kleinen Fischen, Amphibien oder Insekten zum Nest zurück. Besonders eindrucksvoll sind die lautstarken Begegnungen zwischen benachbarten Brutpaaren oder die kurzen Auseinandersetzungen mit Lachmöwen, die dieselben Röhrichtflächen nutzen. Beobachter können dieses Verhalten an mehreren Stellen der Wagbachniederung mit etwas Geduld verfolgen, ohne die Tiere zu stören. (naturfotografen-online.de⁠)

    Ein Feuchtgebiet voller Leben

    Die Purpurreiher sind nur ein Teil der außergewöhnlichen Artenvielfalt. Mehr als 240 Vogelarten wurden bislang in der Wagbachniederung nachgewiesen. Neben Purpurreiher und Graureiher brüten hier Blaukehlchen, Schwarzhalstaucher, Rohrweihen, Bartmeisen, Tafelenten und zahlreiche weitere Wasservögel. Während des Vogelzugs verwandelt sich das Gebiet in einen wichtigen Rastplatz für Tausende Zugvögel aus Nord- und Osteuropa. (Birding-Germany.de⁠)

    Gerade diese Vielfalt macht die Wagbachniederung zu einem der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Deutschlands. Aus einem ehemaligen Industrieareal entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein Lebensraum von internationalem Rang – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich Natur Flächen zurückerobern kann.

    Fotografieren mit Respekt

    Die größte Herausforderung bei der Beobachtung der Purpurreiher ist nicht ihre Seltenheit, sondern ihre Vorsicht. Obwohl einzelne Nester von den Beobachtungswegen aus eingesehen werden können, reagieren die Vögel empfindlich auf Störungen. Deshalb sollten ausschließlich die ausgewiesenen Wege und Beobachtungshütten genutzt werden.

    Geduld gehört zur Naturfotografie ebenso wie eine lange Brennweite. Wer sich Zeit nimmt, erlebt die Reiher beim Nestbau, bei der Nahrungssuche oder beim lautlosen Anflug auf die Brutplätze. Oft entstehen die eindrucksvollsten Aufnahmen nicht während spektakulärer Flugszenen, sondern in den stillen Momenten, wenn der Reiher regungslos zwischen den Schilfhalmen steht und nahezu mit seiner Umgebung verschmilzt.

    Ein Ort für seltene Begegnungen

    Die Wagbachniederung zeigt, wie wertvoll wiederhergestellte Feuchtgebiete für den Artenschutz sein können. Wo einst Klärteiche einer Zuckerfabrik lagen, befindet sich heute eines der bedeutendsten Brutgebiete des Purpurreihers in Deutschland.

    Wer früh am Morgen durch das Gebiet geht, erlebt eine Landschaft voller Stimmen, Bewegungen und Lichtstimmungen. Der Purpurreiher bleibt dabei oft nur für wenige Sekunden sichtbar. Doch gerade diese flüchtigen Begegnungen machen seinen besonderen Reiz aus – und verleihen der Wagbachniederung ihren unverwechselbaren Charakter.

    Merkmal Zahlen, Daten, Fakten zum Purpurreiher
    Art Purpurreiher
    Wissenschaftlicher Name Ardea purpurea
    Familie Reiher / Ardeidae
    Größe Etwa 70 bis 90 cm Körperlänge.
    Flügelspannweite Etwa 120 bis 150 cm.
    Gewicht Etwa 500 bis 1.350 g.
    Gefieder Schlanker Reiher mit rostbraunem Hals, dunklen Längsstreifen, grauvioletten Flügeln und kastanienbraunen Gefiederpartien.
    Unterscheidung zum Graureiher Schlanker, dunkler, längerer Hals, stärker an Schilf gebunden und meist heimlicher im Verhalten.
    Lebensraum Ausgedehnte Schilfröhrichte, Verlandungszonen, Flachwasserbereiche, Sümpfe und Feuchtgebiete.
    Brutplatz Nester meist gut verborgen im Schilf, oft über flachem Wasser.
    Brutzeit Etwa April bis Juli, je nach Witterung und Standort.
    Gelege Meist 4 bis 5 Eier.
    Nahrung Kleine Fische, Amphibien, Insekten, Krebstiere, gelegentlich Kleinsäuger und Jungvögel.
    Jagdweise Langsames Anschleichen im Flachwasser oder regungsloses Warten zwischen Schilfhalmen.
    Zugverhalten Langstreckenzieher; überwintert überwiegend in Afrika südlich der Sahara.
    Vorkommen in Deutschland Selten und lokal; wichtige Brutgebiete liegen in großen Feuchtgebieten mit ausgedehntem Schilf.
    Wagbachniederung Eines der bekannten Brutgebiete des Purpurreihers in Südwestdeutschland.
    Beste Beobachtungszeit Frühjahr bis Frühsommer, besonders morgens und am späten Nachmittag.
    Fotografische Motive Flug über dem Schilf, Anflug zum Nest, Ansitz im Röhricht, Jagd im Flachwasser und stimmungsvolle Morgenaufnahmen.
    Schutz Brutbereiche dürfen nicht betreten werden. Beobachtung nur von Wegen, Dämmen oder ausgewiesenen Beobachtungspunkten.
    Schlagwörter: