Zum Inhalt springen
Start » Bienenfresser

Bienenfresser

    Bienenfresser bei Lambsheim

    Die Brutkolonie der Bienenfresser bei Lambsheim zählt zu den bedeutendsten in Rheinland-Pfalz. Der Artikel beschreibt Lebensweise, Brutverhalten und den besonderen Lebensraum dieser farbenprächtigen Vogelart in der Oberrheinebene.

    An warmen Frühsommertagen ist ihr Ruf oft zu hören, bevor sie am Himmel erscheinen. Ein weiches, rollendes „prrü“, dann schießen mehrere Vögel mit sichelförmigen Flügeln über die Landschaft. Ihr Gefieder leuchtet in Türkis, Goldgelb, Kastanienbraun und Smaragdgrün – Farben, die man eher mit Afrika oder dem Mittelmeerraum verbindet als mit Deutschland. Doch seit einigen Jahrzehnten gehört der Bienenfresser auch zur heimischen Vogelwelt.

    Zwischen Lambsheim und Gerolsheim in der Oberrheinebene befindet sich heute eine der bedeutendsten Brutkolonien des Bienenfressers in Rheinland-Pfalz. In den steilen Sandwänden einer aktiven Abbaugrube finden die Vögel ideale Bedingungen für ihre Bruthöhlen. Jährlich nutzen etwa 25 bis 50 Brutpaare diesen Standort zur Jungenaufzucht.

    Ein Vogel auf dem Vormarsch

    Der Bienenfresser (Merops apiaster) war über Jahrhunderte vor allem in Südeuropa verbreitet. Erst in den 1990er Jahren begann die Art, ihr Brutgebiet nach Norden auszudehnen. Begünstigt durch wärmere Sommer und geeignete Lebensräume entstanden zunächst einzelne Brutvorkommen am Oberrhein. Heute zählt Rheinland-Pfalz zu den wichtigsten Verbreitungsgebieten der Art in Deutschland. (Lebensader Oberrhein⁠)

    Der Name lässt vermuten, dass sich der Bienenfresser ausschließlich von Honigbienen ernährt. Tatsächlich besteht seine Nahrung aus einer Vielzahl größerer Fluginsekten wie Libellen, Käfern, Hummeln, Wespen und Wildbienen. Die Beute wird meist im Flug ergriffen. Vor dem Verschlucken schlagen die Vögel stechende Insekten mehrfach gegen einen Ast, um den Giftstachel zu entfernen.

    Leben in der Steilwand

    Anders als viele andere Vogelarten bauen Bienenfresser keine Nester in Bäumen. Mit Schnabel und Füßen graben sie bis zu zwei Meter lange Brutröhren in steile Sand- oder Lösswände. Am Ende des Ganges befindet sich die Brutkammer, in der mehrere Eier abgelegt werden.

    Die Sandgruben zwischen Lambsheim und Gerolsheim bieten genau diese Voraussetzungen. Sonnige Steilhänge, lockerer Sand und eine offene, insektenreiche Kulturlandschaft machen das Gebiet zu einem idealen Brutplatz. Gleichzeitig profitieren die Vögel von den umliegenden Feldern, Wiesen und Hecken als Jagdrevier. (nabu-nws Webseite!Attachment.tiff)

    Eine Landschaft voller Leben

    Wer im Juni oder Juli den Beobachtungsstand besucht, erlebt ein faszinierendes Schauspiel. Im Minutentakt fliegen die Altvögel mit Beute zu ihren Brutröhren. Immer wieder sitzen sie auf abgestorbenen Ästen oder eigens aufgestellten Ansitzwarten, bevor sie erneut zur Jagd aufbrechen.

    Zwischen den Bienenfressern besiedeln auch Uferschwalben dieselben Steilwände. Über den Feldern jagen Schafstelzen und Feldlerchen, während in den angrenzenden Röhrichten Teichrohrsänger und andere Singvögel leben. Die Vielfalt der Lebensräume macht das Gebiet zu einem der interessantesten Vogelbeobachtungsorte der Oberrheinebene. (nabu-frankenthal.de⁠)

    Natur erleben – ohne zu stören

    Mit der wachsenden Bekanntheit der Kolonie stieg auch die Zahl der Besucher. Um die empfindlichen Brutplätze zu schützen, errichtete der NABU einen Beobachtungsstand. Von dort lassen sich die Vögel aus kurzer Distanz beobachten, ohne ihren Brutbetrieb zu beeinträchtigen. Das Betreten der Sandgrube ist dagegen verboten und würde die Tiere erheblich stören. Besucher werden gebeten, den Parkplatz am Friedhof in Lambsheim oder am Ortseingang von Gerolsheim zu nutzen und den Beobachtungsstand zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. (nabu-frankenthal.de⁠)

    Gerade dieses Besucherlenkungskonzept gilt heute als wichtiger Beitrag zum Schutz der Brutkolonie. Es ermöglicht Naturbeobachtungen auf engem Raum und bewahrt gleichzeitig die notwendige Ruhe an den Brutröhren.

    Farben einer sich wandelnden Natur

    Der Bienenfresser steht beispielhaft für die Veränderungen unserer Tierwelt. Arten, die früher ausschließlich im Mittelmeerraum vorkamen, finden inzwischen auch in Deutschland geeignete Lebensräume. Gleichzeitig zeigt die Kolonie bei Lambsheim, wie wichtig strukturreiche Landschaften mit offenen Bodenstellen, Sandwänden und einem reichen Insektenangebot für ihren langfristigen Bestand sind.

    Wer an einem warmen Sommermorgen am Beobachtungsstand steht, erlebt weit mehr als einen außergewöhnlich bunten Vogel. Man beobachtet eine Art, deren Geschichte eng mit den Veränderungen unserer Landschaft und unseres Klimas verbunden ist – und die heute zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen am Oberrhein zählt.

    Merkmal Zahlen, Daten, Fakten zum Bienenfresser
    Art Bienenfresser
    Wissenschaftlicher Name Merops apiaster
    Familie Bienenfresser / Meropidae
    Lebensraum Warme, offene Landschaften mit Sand- oder Lösswänden, Wiesen, Feldern, Hecken und reichlich Fluginsekten.
    Brutplatz Selbst gegrabene Brutröhren in Steilwänden, Sandgruben oder Lössabbrüchen.
    Brutröhre Meist bis zu etwa 1 bis 2 Meter lang, am Ende mit einer kleinen Brutkammer.
    Brutzeit Etwa Mai bis Juli, abhängig von Witterung und Standort.
    Nahrung Größere Fluginsekten wie Libellen, Käfer, Wespen, Hummeln, Wildbienen und Honigbienen.
    Jagdweise Ansitzjäger: Der Vogel startet von Ästen, Leitungen oder Ansitzwarten und fängt Insekten im Flug.
    Gefieder Auffällig bunt mit Türkis, Gelb, Kastanienbraun, Grün und schwarzer Augenmaske.
    Größe Etwa 27 bis 29 cm Körperlänge.
    Flügelspannweite Etwa 40 bis 49 cm.
    Gewicht Etwa 50 bis 70 g.
    Zugverhalten Langstreckenzieher; überwintert überwiegend in Afrika.
    Vorkommen in Deutschland Vor allem in wärmebegünstigten Regionen wie Oberrhein, Pfalz, Sachsen-Anhalt und Teilen Süddeutschlands.
    Standort Lambsheim Bekannte Brutkolonie zwischen Lambsheim und Gerolsheim in der Oberrheinebene.
    Beste Beobachtungszeit Juni bis Juli, besonders morgens und am späten Nachmittag.
    Fotografische Besonderheit Farbenprächtiges Gefieder, Flugaufnahmen, Fütterungsszenen und Ansitzmotive vor natürlichem Hintergrund.
    Schutz Brutplätze dürfen nicht betreten werden. Beobachtung nur von ausgewiesenen Wegen oder Beobachtungsständen.
    Schlagwörter: