Wasser, Fels und Licht im Allgäu
Die Breitachklamm bei Oberstdorf gehört zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen im Allgäu. Zwischen dem Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach und dem Kleinwalsertal hat sich die Breitach tief in den Fels eingeschnitten. Heute gilt die Klamm als tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas und zählt zu den bekanntesten Geotopen Bayerns. Für Fotografen ist die Breitachklamm ein besonderer Ort. Wasser, Fels, Enge, Dunkelheit, Gischt, Lichtschneisen und ständig wechselnde Perspektiven schaffen Motive, die sich deutlich von klassischen Landschaftsbildern unterscheiden. Wer hier fotografiert, arbeitet nicht mit weitem Panorama, sondern mit Struktur, Bewegung und Licht.
Eine der tiefsten Schluchten Mitteleuropas
Die Breitachklamm liegt im südlichen Oberallgäu, unweit von Oberstdorf. Sie erstreckt sich vom Ortsteil Tiefenbach bis in Richtung Kleinwalsertal. Offizielle Angaben beschreiben sie als tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas und als eines der imposantesten Geotope Bayerns. Die Klamm ist etwa 2,5 Kilometer lang und bis zu rund 150 Meter tief. (Breitachklamm)
Der eigentliche Klammweg ist gut gesichert und begehbar. Die offiziellen Routenangaben nennen für die rote Route eine Länge von etwa 1,45 Kilometern, rund 85 Höhenmeter und eine Gehzeit von etwa 45 Minuten. Der Weg führt über Kies, Asphalt, Holz, Gitterroststufen und Steinstufen hinauf zum Zwingsteg. Die Breitachklamm ist ein Ergebnis von Eiszeit, Gletscherwirkung und der Kraft des Wassers. Nach Angaben zur Geschichte der Klamm begann ihre Entstehung vor etwa 10.000 Jahren, als der abschmelzende Breitachgletscher und das Wasser begannen, den Schrattenkalk des Engenkopfes zu durchsägen.
Die Breitach sammelt Wasser aus dem Kleinwalsertal. Durch das starke Gefälle konnte sich der Fluss tief in den Fels eingraben. So entstand über Jahrtausende eine enge Schlucht mit steilen, teilweise überhängenden Wänden. Geologisch betrachtet ist die Breitachklamm deshalb kein zufälliges Naturbild, sondern ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Wasser Landschaft formt. Begehbar wurde die Breitachklamm im Jahr 1905. Die Erschließung geht wesentlich auf den Tiefenbacher Pfarrer Johannes Schiebel zurück.
Er setzte sich dafür ein, die Klamm zugänglich zu machen und damit auch seiner Gemeinde eine wirtschaftliche Perspektive durch den aufkommenden Alpentourismus zu eröffnen. Am 4. Juli 1905 wurde die Klamm als begehbares Naturwunder eröffnet. Diese historische Dimension macht den Besuch heute noch interessanter. Man läuft nicht nur durch eine Schlucht, sondern auch über Wege, die seit mehr als einem Jahrhundert Teil des Allgäuer Tourismus sind.
Alpensalamander in der Breitachklamm und im Oberallgäu
Ein besonderes Erlebnis während meines Aufenthalts an der Breitachklamm war die Begegnung mit dem Alpensalamander. Am Vortag hatte ich vergeblich versucht, die Tiere zu finden. Trotz intensiver Suche blieb die Kamera an diesem Tag ohne Erfolg. Am Abend traf ich den Naturfotografen Norbert Rosing, der gemeinsam mit der DVF-Jugend vor Ort fotografierte. Ich fragte ihn, ob ich mich der Gruppe am nächsten Morgen anschließen dürfe. Glücklicherweise sagte er sofort zu. In den frühen Morgenstunden hatte es geregnet – genau die Bedingungen, auf die wir gehofft hatten. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der nasse Waldboden locken Alpensalamander häufig aus ihren Verstecken unter Steinen, Wurzeln und Totholz. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis wir die ersten Tiere entdeckten.
Mit etwas Glück kann man im Umfeld der Breitachklamm und in den feuchten Bergwäldern des Oberallgäus auch einem besonderen Bewohner der Alpen begegnen: dem Alpensalamander. Der glänzend schwarze Schwanzlurch ist eine typische Art kühler, feuchter Berglebensräume. Sein bevorzugter Lebensraum sind feuchte Bergwälder, Bachnähe, Gischtzonen, Blockhalden und strukturreiche alpine Landschaften. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt als Lebensräume unter anderem Buchenwälder, Bergwälder, Waldränder, Karstgebiete, wieder bewachsene Schutthalden, Alpweiden und Felsfluren. (lfu.bayern.de)
Gerade die feuchte, kühle Atmosphäre in Schluchten und Bergwäldern passt gut zu den Ansprüchen dieser Art. Der Alpensalamander lebt meist verborgen und zeigt sich vor allem bei feuchter Witterung, nach Regen oder am frühen Morgen. Der BUND Naturschutz weist darauf hin, dass die Tiere tagsüber meist versteckt leben und bei leichten Regenfällen oder früh am Morgen am ehesten beobachtet werden können. (bund-naturschutz.de)
Fotografisch ist der Alpensalamander ein sehr reizvolles Motiv. Sein tiefschwarzer, glänzender Körper hebt sich stark von nassem Stein, Laub, Moos und hellem Kalkgestein ab. Gerade in Schwarzweißfotografie oder mit ruhigen Naturfarben kann daraus ein sehr reduziertes, grafisches Bild entstehen. Wichtig ist jedoch: Das Tier sollte niemals umgesetzt, angefasst oder bedrängt werden. Ein respektvoller Abstand, eine ruhige Annäherung und kurze Beobachtungszeit sind entscheidend.
Wer in der Breitachklamm oder im Oberstdorfer Raum fotografiert, sollte besonders nach Regen aufmerksam, aber vorsichtig unterwegs sein. Feuchte Wege, Steine und Holzstege sind rutschig, und die Tiere können auf Wegen oder am Rand von feuchten Stellen auftauchen. Das Nordic Zentrum Oberstdorf weist darauf hin, dass bei feuchter Witterung sogar bestimmte Bereiche temporär gesperrt werden, um Alpensalamander während ihrer Aktivitätsphasen zu schützen. (nordic-zentrum-oberstdorf.de)
Für Naturfotografen gilt deshalb: Der Alpensalamander ist kein Motiv, das man erzwingen sollte. Wenn er auftaucht, ist es ein besonderer Moment. Am besten fotografiert man mit vorhandener Perspektive, ohne das Tier zu stören. Ein leichtes Tele oder ein Makroobjektiv hilft, Abstand zu halten und dennoch Details aufzunehmen. Blitzlicht sollte vermieden werden. Die schönste Wirkung entsteht ohnehin meist bei weichem, diffusem Licht nach Regen. Der Alpensalamander ergänzt den Charakter der Breitachklamm auf besondere Weise. Die Klamm ist nicht nur ein Ort aus Wasser, Fels und Geologie, sondern auch ein Lebensraum. Wer hier fotografiert, sollte deshalb nicht nur nach spektakulären Schluchtbildern suchen, sondern auch die kleinen, stillen Zeichen alpiner Natur beachten.
Fazit
Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist eines der eindrucksvollsten Naturmotive im Allgäu. Ihre Tiefe, ihre Entstehungsgeschichte, die Kraft des Wassers und die gesicherten Wege machen sie zu einem besonderen Ziel für Wanderer und Fotografen. Fotografisch verlangt sie Aufmerksamkeit und Geduld. Licht, Wasser und Fels wechseln ständig. Wer sich darauf einlässt, findet Motive, die nicht beliebig wirken: rau, dunkel, bewegt und ursprünglich. Für Naturfotografie, Schwarzweiß, analoge Fotografie und Landschaftsdetails ist die Breitachklamm ein Ort, der weit mehr bietet als ein klassisches Ausflugsziel. Sie zeigt, wie stark Wasser eine Landschaft formen kann – und wie spannend Fotografie wird, wenn man nicht die Weite sucht, sondern die Tiefe.











