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B.L.O. Ateliers Berlin Photoweekend

    Industriekultur, Stadtnatur und kreative Spuren zwischen Friedrichshain und Lichtenberg

    Die B.L.O.-Ateliers gehören zu jenen Orten in Berlin, an denen man noch spürt, dass die Stadt nicht nur aus glatten Fassaden, neuen Wohnquartieren und durchgestalteten Straßenzügen besteht. Zwischen Ostkreuz, Rummelsburg, Victoriastadt und Friedrichshain liegt ein Gelände, das fotografisch deutlich mehr erzählt als viele klassische Sehenswürdigkeiten. Alte Bahnstrukturen, Werkstätten, Ateliers, improvisierte Wege, bewachsene Flächen und die Spuren jahrzehntelanger Nutzung verdichten sich hier zu einem Motivraum, der rau, lebendig und zugleich erstaunlich still wirkt.

    Für die Fotografie sind solche Orte besonders wertvoll. Sie zeigen nicht das repräsentative Berlin, sondern ein Berlin der Übergänge: zwischen Arbeit und Kunst, zwischen Industriegeschichte und Stadtnatur, zwischen Verfall, Erhalt und Neunutzung. Gerade deshalb eignen sich die B.L.O.-Ateliers gut für eine fotografische Annäherung mit analoger Kamera, aber auch für digitale Schwarzweißfotografie.

    Ein ehemaliges Bahngelände als kreativer Ort

    Der Name B.L.O. geht auf das frühere Bahnbetriebswerk Berlin-Lichtenberg-Ost zurück. Aus einem Gelände, das ursprünglich dem Eisenbahnbetrieb diente, wurde ab 2004 ein selbstorganisierter Atelier- und Werkstattstandort. Heute arbeiten dort Künstlerinnen, Künstler, Handwerker, Designer, Fotografen, Musiker und andere Kreative. Das Spektrum reicht von Malerei, Grafik und Fotografie über Holz- und Metallarbeiten bis hin zu Film, Theaterausstattung, Musik und Produktdesign.

    Gerade diese Mischung macht den Ort fotografisch interessant. Die B.L.O.-Ateliers wirken nicht wie ein museal konserviertes Industriedenkmal. Vielmehr ist das Gelände ein genutzter Arbeitsort. Das sieht man an Türen, Werkzeugen, Schildern, Materialien, Wänden, Wegen und kleinen improvisierten Details. Die Motive entstehen nicht aus Perfektion, sondern aus Gebrauch.

    Fotografieren zwischen Spuren, Struktur und Atmosphäre

    Wer mit der Kamera über ein solches Gelände geht, sollte langsam arbeiten. Die starken Motive liegen nicht unbedingt im großen Überblick, sondern in den Details: rostige Metallflächen, alte Backsteinstrukturen, verwitterte Türen, Schatten auf Wellblech, Graffiti, zugewachsene Kanten, Spuren alter Gleisanlagen und kleine Hinweise auf die heutige Nutzung.

    Für analoge Fotografie ist das ein dankbares Umfeld. Film verzeiht nicht jede Nachlässigkeit, zwingt aber zu bewussterem Sehen. Gerade bei Orten wie den B.L.O.-Ateliers passt diese Arbeitsweise gut. Man betrachtet Linien, Flächen und Licht genauer. Man wartet eher auf eine ruhige Komposition. Man fotografiert nicht alles, sondern entscheidet sich.

    Schwarzweiß bietet sich besonders an, wenn man die Strukturen des Ortes betonen möchte. Backstein, Metall, Holz, Schatten und helle Wandflächen bekommen in Schwarzweiß eine klare grafische Wirkung. Farbe kann dagegen spannend sein, wenn alte Lackreste, Werkstatttüren, Pflanzen, Schilder und urbane Oberflächen miteinander konkurrieren.

    Stadtnatur auf ehemaligem Bahngelände

    Ein besonderer Reiz liegt in der Verbindung von Industriekultur und Natur. Solche Bahnflächen entwickeln oft eine eigene Vegetation. Zwischen Mauern, Wegen und Gebäuden entstehen Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere. Bei den B.L.O.-Ateliers ist genau diese Mischung sichtbar: ein ehemaliger technischer Ort, der nicht vollständig versiegelt und glattgezogen wurde, sondern sich teilweise wieder mit Stadtnatur verbindet.

    Fotografisch entstehen dadurch starke Gegensätze. Metall und Grün, alte Gebäude und wuchernde Pflanzen, Arbeitsflächen und freie Brachen stehen nebeneinander. Diese Spannung ist typisch für Berlin, aber sie wird an solchen Orten besonders deutlich.

    Wer Berlin fotografiert, landet schnell bei bekannten Orten: Alexanderplatz, Museumsinsel, Hackescher Markt, East Side Gallery, Regierungsviertel oder Friedrichstraße. Die B.L.O.-Ateliers zeigen eine andere Seite der Stadt. Sie sind weniger Kulisse als Arbeits- und Lebensraum. Genau darin liegt ihre fotografische Stärke.

    Für eine Fotowebseite passt dieser Ort gut in eine Serie über Streetfotografie, urbane Räume und analoge Stadtfotografie. Man kann ihn mit Friedrichshain, Ostkreuz und Rummelsburg verbinden, aber auch mit einem größeren Thema: Berlin als Stadt der Zwischenräume. Bei einem Photowalk rund um die B.L.O.-Ateliers würde ich weniger auf schnelle Straßenszenen setzen, sondern auf ruhige Beobachtung. Gute Motive entstehen hier durch Wiederholung, Oberflächen und kleine Brüche im Bild.

    Analog passt hier sehr gut, weil das Gelände selbst eine historische Tiefe besitzt. Eine Nikon F6, Leica M6, Minolta Dynax 7 oder Canon A-1 wären passende Kameras für einen solchen Ort. Mit Schwarzweißfilm lassen sich Kontraste und Strukturen stark herausarbeiten. Farbfilm kann dagegen die Patina des Geländes betonen.

    Digital, etwa mit einer Leica M10-R, Leica M11 Monochrom oder Leica Q3 Monochrom, bietet mehr Kontrolle bei schwierigen Lichtverhältnissen. Gerade harte Kontraste zwischen offenen Flächen und dunklen Werkstattbereichen lassen sich digital einfacher ausarbeiten. Trotzdem sollte die Bildsprache ruhig bleiben. Der Ort braucht keine Effekthascherei.

    Fazit

    Die B.L.O.-Ateliers sind kein klassischer touristischer Fotospot. Gerade das macht sie interessant. Sie stehen für ein Berlin, das noch Spuren trägt: Arbeit, Bahnvergangenheit, Kunst, Improvisation, Stadtnatur und die Frage, welche Räume in einer wachsenden Stadt erhalten bleiben.

    Für die Fotografie ist das Gelände ein guter Ort, um genauer hinzusehen. Nicht das Spektakel steht im Vordergrund, sondern die Atmosphäre. Wer Berlin nur über seine bekannten Plätze fotografiert, übersieht solche Zwischenräume. Die B.L.O.-Ateliers zeigen, dass die stärkeren Motive oft dort entstehen, wo Geschichte, Nutzung und Veränderung noch sichtbar nebeneinanderliegen. www.blo-ateliers.de.

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