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Hotel Waldlust Schwarzwald

    Das ehemalige Hotel Waldlust in Freudenstadt zählt zu den bekanntesten historischen Gebäuden im Schwarzwald. Einst ein luxuriöses Grandhotel, ist es heute Denkmal, Lost Place und Gegenstand zahlreicher Mythen.

    Freudenstadt. Am Rand von Freudenstadt, dort wo der Schwarzwald dichter wird und der Kienberg über der Stadt liegt, steht ein Gebäude, das aussieht, als habe jemand die Zeit angehalten: das ehemalige Hotel Waldlust. Einst war es ein Luxushotel für Hochadel, Künstler und wohlhabende Reisende. Heute ist es ein Denkmal, ein sogenannter Lost Place und ein Ort, um den sich hartnäckige Spukgeschichten ranken.

    Das ZDF griff die Waldlust in der Dokumentationsreihe „Mythos – Die größten Rätsel der Geschichte: Geister & Gespenster“ auf. In der Folge werden Orte vorgestellt, an denen Menschen von geisterhaften Erscheinungen berichten. In Deutschland führt die Spur unter anderem zur ehemaligen Lungenheilstätte Grabowsee und zum verlassenen Hotel Waldlust in Freudenstadt. Die Sendung stellt dabei die klassische Frage solcher Geschichten: Gibt es dort wirklich Unerklärliches oder spielen Wahrnehmung, Erwartung und Atmosphäre den Menschen einen Streich?  

    Historisch ist die Waldlust weit mehr als eine Kulisse für Gruselgeschichten. Nach Angaben der Denkmalfreunde Waldlust wurde das Luxushotel 1902 für den Hotelier Ernst Luz Junior erbaut. In seinen besten Jahren beherbergte es Gäste aus Hochadel, Politik, Kultur und Film; 1926 residierte König Gustav V. von Schweden dort, in den 1920er-Jahren waren auch die Stummfilmstars Douglas Fairbanks und Mary Pickford zu Gast. 

    Der große Reiz des Hauses liegt gerade in diesem Kontrast. Die Waldlust war kein einfaches Landhotel, sondern ein Haus mit Anspruch: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es weiter ausgebaut mit 140 Zimmern, 60 Privatbädern und 100 Liegebalkonen. Auch der Ballsaal stammt aus dieser glanzvollen Phase. Später erlebte das Hotel in den 1950er- und 1960er-Jahren noch einmal eine Blütezeit, bevor veränderte Reisegewohnheiten, Besitzerwechsel und wirtschaftliche Probleme den Niedergang einleiteten.  

    Seit 2005 ist der reguläre Hotelbetrieb beendet. Doch verlassen im eigentlichen Sinne ist die Waldlust nicht. Die Denkmalfreunde Waldlust e.V., gegründet 2019, kümmern sich um Erhalt, Reparaturen und eine neue Nutzung des historischen Gebäudes. Aus dem früheren Lost Place soll schrittweise ein Ort für Kunst, Kultur, Führungen, Konzerte, Fototouren und Veranstaltungen werden. Der Verein spricht selbst vom Wandel vom „Lost Place“ zum „Art Place“.  

    Die Geistergeschichten bleiben trotzdem Teil der öffentlichen Wahrnehmung. Besonders bekannt ist die Erzählung, eine frühere Hotelbetreiberin sei in einem Zimmer ermordet worden und spuke bis heute im Haus. Seriös belegt ist diese Geschichte jedoch nicht; Schwarzwald Tourismus ordnet sie ausdrücklich als Legende ein. Gerade das macht die Waldlust interessant: Der Mythos lebt nicht, weil er bewiesen wäre, sondern weil das Gebäude mit seinen langen Fluren, alten Sälen, knarrenden Böden und sichtbaren Spuren vergangener Jahrzehnte die Fantasie anregt.

    Für Besucher ist das Haus heute vor allem ein Denkmalprojekt. Führungen finden regelmäßig statt, das Gebäude ist jedoch nicht frei zugänglich. Die Denkmalfreunde weisen darauf hin, dass die Waldlust zu offiziellen Veranstaltungen und Führungen geöffnet ist; Übernachtungen sind laut FAQ für 2026 und 2027 nicht vorgesehen, weil der Schwerpunkt derzeit auf Kunst und Kultur liegt.  

    So steht die Waldlust heute zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie ist kein gewöhnliches Hotel mehr, aber auch keine bloße Ruine. Sie ist ein Stück Schwarzwälder Tourismusgeschichte, ein Mahnmal für den Verlust alter Hotelkultur und zugleich ein Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement historische Bauten bewahren kann. Der eigentliche Mythos der Waldlust liegt vielleicht weniger in angeblichen Geistern, sondern darin, dass ein Haus nach Jahrzehnten des Niedergangs wieder Menschen anzieht.

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